Teisho

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T E I S H Ì

Dieses ist die Wiedergabe eines Teishƍ fĂŒr Sabine HĂŒbners persönliche Zen-SchĂŒler, welches mĂŒndlich in einem Sesshin gegeben wurde. Wer sonst noch dieses Teishƍ lesen sollte, sei ebenfalls freundlich gegrĂŒĂŸt.

Wer als solcher „Lese-Gast“ an den Worten des Teishƍ jedoch Anstoß nehmen sollte, aus welchem Grund auch immer,  möge sich daran erinnern, dass dieser Text eigentlich nicht fĂŒr ihn bestimmt ist – und sich dann sogleich wieder ausschalten.

Danke schön fĂŒr die Beachtung –

und allen Wohlwollenden herzlich willkommen!

 



 

T e i s h ƍ 

TĂ€uschende Gedanken und GefĂŒhle sind grenzenlos,
ich gelobe sie alle loszulassen

Untertitel: Das teuflische Dreieck

 

Liebe Freunde auf dem WEG,

 

schaut euch einmal dieses Dreieck an! Ich nehme es heute zu Hilfe, um daran deutlich zu machen und zu beschreiben, was eigentlich tĂ€uschende Gedanken und GefĂŒhle sind, von denen wir uns doch befreien wollen. Ja, dies geloben wir im Sesshin jeden Abend.
Vorweg möchte ich betonen, dass allen Gedanken und GefĂŒhlen, ob tĂ€uschend oder nicht, die ihnen entsprechenden Taten folgen.
Also ist es nicht nur sinnvoll, wegen uns selbst, wegen unseres eigenen menschlichen Geistes, der auf dem WEG gereinigt werden soll, uns von allen tĂ€uschenden Gedanken und GefĂŒhlen zu befreien, sondern dies ist unbedingt auch wegen der menschlichen Gemeinschaft, in der wir leben, notwendig. So viele Menschen zwingen ihrer Umwelt die eigenen tĂ€uschenden Gedanken und GefĂŒhle auf, indem sie den Menschen in ihrer Umgebung die Taten, die sich aus den eigenen inneren TĂ€uschungen ergeben, ĂŒber die Köpfe gießen.
Das abhĂ€ngige Entstehen, mit dem wir womöglich die Welt belĂ€stigen, beginnt also in unserem eigenen MVD, dem mano viññāáč‡a dhātu, unserem inneren Raster, in dem alles abgespeichert wird, was wir erleben. Nur sind leider diese inneren Kopien nicht die RealitĂ€t selbst, sondern unseren selbstgemachten TĂ€uschungen unterworfen. Unsere Entscheidungen entstehen oft aus solchen TĂ€uschungen, und diese muten wir in solchen FĂ€llen also unseren Mitmenschen zu.

Anhand des teuflischen Dreiecks möchte ich dies nÀher erlÀutern.
Hier sind drei Rollen dargestellt, die ineinander verkeilt sind und die viele Menschen mit Leidenschaft spielen, indem sie sich jeweils mit einer dieser drei Rollen identifizieren. Ursache sind meistens tĂ€uschende Gedanken, die ihnen aus dem Inneren aufsteigen, und zwar aus ihrer Vergangenheit, die gar nicht mehr wahr ist, und den selbst angefertigten und fehlerhaften Kopien aus der gar nicht mehr existierenden Vergangenheit; und aus diesen Gedanken entstehen tĂ€uschende GefĂŒhle, durch die solche Menschen dann heftig gebeutelt werden und wofĂŒr sie ihre Mitmenschen verantwortlich machen, die dann dafĂŒr bĂŒĂŸen sollen.

 

 

Darlegung:

TĂ€uschende Gedanken und GefĂŒhle sind grenzenlos,
ich gelobe sie alle loszulassen

_______________________________________________________________

 

Was sind tÀuschende Gedanken? Das sind alle Gedanken, die nichts mit der RealitÀt zu tun haben. Nicht alle Gedanken sind tÀuschend, nÀmlich wenn sie aus einer reinen und klaren Wahrnehmung kommen. Die meisten Gedanken der Menschen haben jedoch nichts mit der RealitÀt zu tun. Wieso denn nicht? Die RealitÀt ist immer nur in der Gegenwart, ist immer nur im Jetzt. Die meisten Gedanken jedoch befassen sich mit der Vergangenheit oder kommen aus der Vergangenheit, reagieren unbewusst auf sie und haben also nichts mit der RealitÀt des Jetzt zu tun.

Zum Beispiel folgende Begebenheit dafĂŒr, wie die Vergangenheit einem Menschen tĂ€uschende Gedanken und GefĂŒhle bereitet, ohne dass der betreffende Mensch diese Tatsache durchschaut:

Ein Mann verließ morgens tipptopp ordentlich gekleidet das Haus, um zur Arbeit zu gehen. Als er an den Fenstern der Nachbarn vorbei ging, dachte er gequĂ€lt: "Sitzt auch meine Krawatte richtig? Passt ihre Farbe zu meinem Anzug, zu meinem Hemd? Ist der Kragen ordentlich gebĂŒgelt? Was denken die Nachbarn, wenn sie etwas Unordentliches an meinem Aussehen bemerken?" Dieser Mann bekam SchweißausbrĂŒche, bis er an den HĂ€usern der Nachbarn vorĂŒber war. Den quĂ€lenden Gedanken waren quĂ€lende GefĂŒhle gefolgt. Übrigens war dieser Mann stets sehr ansprechend gekleidet. Seine BefĂŒrchtungen waren völlig unrealistisch. Woher kamen sie? Seine liebe Mama hatte ihm von klein auf eingetrichtert: "Pass immer auf, dass dein Aussehen keinen Anlass zu Tadel gibt, wenn du das Haus verlĂ€sst! Die Nachbarn sehen alles. Was sollen sie ĂŒber unsere Familie denken, wenn du nicht korrekt gekleidet bist?" Ja, das hatte dieser Mann grĂŒndlich verinnerlicht. Selbst als er schon lange kein Kind mehr war, sondern ein gestandener Mann mit einer Anwaltskanzlei, der stabil im Leben stand, quĂ€lte er sich immer noch damit ab, dass er auch ja einen einwandfreien Anblick bot. So folgte er brav den Richtlinien seiner verinnerlichten Mutter, auch als diese schon lĂ€ngst nicht mehr auf Erden weilte. Wenn er zufrieden mit sich war, fĂŒhlte er sich "in Ordnung" vor den Augen seiner verinnerlichten Mutter; war er es nicht, fĂŒhlte er sich von Mamas Augen durchbohrt, die ihn aus vielen Gesichtern – vermeintlich – verfolgten. Dies verursachte ihm seelische Qualen. Er hatte den Verfolger, die Verfolgerin imaginĂ€r in seinem Inneren sitzen, wĂ€hrend die reale Mutter keine Ahnung davon hatte, welche Rolle sie in der Psyche ihres Sohnes spielte. Sie hatte sich im Laufe der Jahre lĂ€ngst viel weiter entwickelt. Und selbst, als sie schon gestorben war, litt ihr Sohn weiterhin unter ihrem strengen Blick – bar jeder Wirklichkeit. 

Noch ein Beispiel: Eine junge Frau, die mit ihrer Schwester in der Stadt von einem hĂŒbschen Laden in den nĂ€chsten bummeln ging, bemerkte plötzlich, dass in einem der GeschĂ€fte drei junge MĂ€dchen sich in einem GesprĂ€ch befanden und sich dabei mĂ€chtig amĂŒsierten. Die MĂ€dchen glucksten und lachten fröhlich. Die junge Frau sagte aufgebracht zu ihrer Schwester: "Die drei da hinten lachen ĂŒber mich!" Und sie fiel in Panik. Den irrtĂŒmlichen Gedanken folgten peinigende und tĂ€uschende GefĂŒhle des Ausgeliefertseins der Blicke anderer und des verĂ€chtlichen Ausgelacht-Werdens. Auch sie hatte ihre Störung aus lĂ€ngst vergangener Zeit mitgebracht, ohne sich dessen bewusst zu sein.

TĂ€uschende Gedanken, denen tĂ€uschende GefĂŒhle folgen, sind grenzenlos.
Aus TÀuschungen entstehende Handlungen und Taten verunreinigen ohne Ende das Leben der Menschen auf der Erde, und zwar quer durch alle Völker.

Nehmen wir einmal das teuflische Dreieck aus dem Bild oben. Dieses Dreieck hat drei gleich lange Schenkel, und die Wörter ''TÀter'', ''Opfer'' und ''Retter" stehen jeweils an den drei Winkeln. Ein unglaublich hoher Prozentsatz der gesamten Menschheit ist in das Spiel ''TÀter, Opfer und Retter'' verstrickt. Ja, die meisten Menschen können niemals anders, als eine dieser drei Rollen zu spielen, begleitet von heftigen Emotionen. Und das kann so aussehen:

Was ein TĂ€ter ist, wisst ihr alle. Der TĂ€ter, man kann auch sagen, der Verfolger, steckt voll von eigenen Aggressionen, die er möglicherweise aus seiner Kindheit mitgebracht hatte. In sich trĂ€gt er ein Fass voll Wut auf alle KrĂ€nkungen, DemĂŒtigungen und Ungerechtigkeiten, die er seinerseits frĂŒher im Leben erdulden musste, ohne dass er als Kind oder Jugendlicher die Möglichkeit hatte, sich adĂ€quat zu wehren. Er weiß nicht, wohin mit seinem Ärger und seiner unterdrĂŒckten Wut auf – scheinbar – alle möglichen Mitmenschen, die er unbewusst in der Tiefe seiner Kinderseele fĂŒr die QuĂ€ler seiner Kindheit hĂ€lt. Er greift also bei allem, was ihm begegnet, zuerst einmal in seinen Erinnerungsspeicher und reagiert dann, ohne es rational zu wissen, auf den uralten Schrott. BĂŒĂŸen sollen es aber die Mitmenschen, denen er aktuell begegnet. Die werden dann vom chronischen Verfolger kurz mal mit HĂ€sslichkeiten besudelt. Das gibt ihm fĂŒr den Moment, aber nur fĂŒr den Moment, eine kleine Erleichterung.

So mancher TĂ€ter fĂŒhlt sich berufen, die Ungerechtigkeit oder was er dafĂŒr hĂ€lt, in der Welt zu bekĂ€mpfen und erwischt dabei fĂŒr gewöhnlich irgendwelche ganz unbeteiligten Menschen, die gar nichts mit seiner Sache zu tun haben. Solche TĂ€ter bekĂ€mpfen dann manchmal hasserfĂŒllt andere und vermeintliche TĂ€ter.

Vielleicht kennt ihr die jugendlichen ''FriedenskĂ€mpfer'', die aus Wut ĂŒber irgendwelche oder auch ganz bestimmte Kriege in der Welt mit Farbe Friedensparolen an irgendwelche HauswĂ€nde von ihnen ganz fremden MitbĂŒrgern, die schöne, glatte HauswĂ€nde haben, sprĂŒhen. Wenn man die Angelegenheit tiefer erforscht, kommt man der Tatsache auf die Spur, dass die jungen Leute nur unbewusst ihre falschen AutoritĂ€ten oder andere QuĂ€ler aus ihrer Kindheit bekĂ€mpfen, dabei aber aktuell ihnen ganz fremde und unbeteiligte Menschen treffen. Sie, solche unfriedlichen FriedenskĂ€mpfer solidarisieren sich dabei miteinander in ihrem sinnlosen und fragwĂŒrdigen Kampf. Sie geben aber – auch vor sich selber – vor, fĂŒr Frieden und Gerechtigkeit zu kĂ€mpfen. Frieden und Kampf haben jedoch absolut nichts miteinander zu tun, sondern schließen einander aus.

TĂ€ter sind meistens frĂŒhere Opfer.

Nun die Opfer. Es gibt wirkliche Opfer, unschuldige Menschen, Kinder oder Erwachsene, die schlimmen Taten anderer, vielleicht auch der Politik, ausgesetzt sind und unter ihnen zu leiden haben. Es gibt Opfer, die als Kinder gequĂ€lt und gedemĂŒtigt wurden und die auch als Erwachsene niemals aufhören, unter dem einst Erduldeten zu leiden. Sie haben sich so sehr in diese Rolle des Opfers verstiegen, dass sie sich mit ihr identifizieren und sie immer wieder ausagieren, indem sie sich ihren Mitmenschen ausgeliefert und sich von ihnen auch in Nichtigkeiten schlecht behandelt fĂŒhlen. Das Opfer hat ein sich endlos wiederholendes Spiel, das ich nenne ''ich arme Sau, ich arme Sau!" geschaffen. Es ist das Arme-Sau-Spiel. Der Mensch in diesem Spiel bedauert sich selbst ohne Ende oder wenigstens immer wieder und wieder aus Ă€ußeren – oft nichtigen – AnlĂ€ssen heraus, die dann wie auf Knopfdruck das innere und in der Folge Ă€ußere Opfer-Spiel auslösen. Das lĂ€uft dann bei dem "armen Opfer" automatisch ab. Es weint und winselt. Bei einigen Opfern dieser Art ist das Winseln deren HauptbeschĂ€ftigung geworden. Wenn niemand dem armen Opfer etwas antut, muss das Opfer, um seine Rolle zwanghaft spielen zu können, sich immer wieder etwas Neues ausdenken, was dieser oder jener Mitmensch ihm angeblich angetan hat. Das kann auch bis zum LĂŒgen, Sich-selbst-BelĂŒgen und sogar Intrigieren auf des Opfers Seite gehen.

Um diese Opferrolle aufrecht erhalten zu können, ist der Einsatz einer ungeheuren Energie notwendig. Arme Opfer sind also eigentlich nicht etwa schwach! Sehr oft sind sie auch ausgesprochen hart im Beurteilen anderer – und im Austeilen.
Einige mehr Ă€ngstliche Opfer teilen dann unter die GĂŒrtellinie aus. Durch ihre Strategien, ihr Opfer-Sein zu demonstrieren, machen sie sich selbst schwach. Es gibt verschiedene Tonarten dieses Liedes.
Viele Opfer klagen, was sie alles fĂŒr ihre Umgebung tun, wie sehr sie sich aufreiben, wie selbstlos sie sind, aber dass niemand ihnen dies dankt. Sie machen anderen SchuldgefĂŒhle, wenn diese das zulassen.
Manche Opfer suchen sich Helfer, die ihnen bestĂ€tigen sollen, dass ihre angeblichen TĂ€ter böse Verfolger sind, die ihnen, den Opfern, das Leben vergĂ€llen. Mit diesen Helfern verbĂŒnden sie sich dann gegen die angeblichen ''TĂ€ter''. Sie sagen dann in etwa auch: "Der und der hat dies auch ĂŒber dich gesagt! – Die und die findet das auch so!" oder, was noch etwas gemeiner ist: "Viele sagen das ĂŒber dich, aber ich nenne keine Namen". 

Ein solches Opfer steckt in einem Sumpf von tĂ€uschenden Gedanken und GefĂŒhlen. Ihre Gedanken und GefĂŒhle sagen stĂ€ndig: ''Ich bin ganz arm dran, und die anderen sind böse zu mir!"

Und das eingebildete Opfer zementiert mit seinem krankhaften Verhaltensmuster diese Opferrolle bis zu seinem Tod, und in dem Zustand geht er dann "hinĂŒber".

Das Opfer sucht sich auch mehrere oder wenigstens einen ''Retter''. Der Retter soll nicht etwa das Opfer aus seiner Opferrolle befreien, sondern ihn in dieser Rolle bestĂ€tigen und ebenfalls die Rolle zementieren helfen. Dann fĂŒhlt das Opfer sich ''verstanden'', wĂ€hrend der Retter dem armen Kerl aber lediglich seine neurotischen GefĂŒhle mitempfinden kann, vielleicht weil er selber ein Opfer ist oder war. Einige Therapeuten machen auf diese Art lebenslĂ€ngliche Opfer.

Opfer – man kann auch sagen Opfer-LĂ€mmer – sind nicht autark, sind nicht autonom in ihren Entscheidungen und Handlungen, und sie sind nicht authentisch, weil sie andere zu brauchen glauben, die ihnen ihr "Arme-Sau"-Spiel aufrecht erhalten sollen, damit sie niemals, niemals fĂŒr sich selber die Verantwortung ĂŒbernehmen mĂŒssen, sondern immer nur arm, klein und schwach bleiben dĂŒrfen. Schaut ihnen in die Augen, da schillert die gesamte Beschaffenheit des betreffenden verbogenen Charakters. Es schillert falsch. Und sie saugen Energie. Solche Menschen sind nicht vertrauenswĂŒrdig, da sie sich selbst nicht vertrauen, dies – in manchen FĂ€llen – höchstens vorgeben oder den Eindruck erwecken wollen. Sie sind – in Anlehnung an Meister Mumons Kommentar vom Kƍan Mu im Mumonkan – wie Geister, die sich selbst nicht aufrecht halten können, sondern sich an BlĂ€tter und GrĂ€ser hĂ€ngen, die ihnen StabilitĂ€t geben sollen, was allerdings nicht möglich ist. 

Der Retter ist also nicht immer wirklich ein Retter, sondern ein – sagen wir mal – Co-Opfer, weil er das Opfer als Opfer verstĂ€rkt und es immer tiefer in den Opfer-Sumpf hineintaucht – nach dem Motto "du Armer, du Armer", und er steigt dabei selbst mit hinunter. Der Retter braucht es, andere zu retten. Der Retter definiert sich durch seine Retter-Rolle. Das Opfer und der Retter verstĂ€rken einander ihre Neurosen. WĂŒrde einer aus seiner Rolle aussteigen, bekĂ€men die Neurosen keine Nahrung mehr – eben bis der Retter ein neues Opfer zum Retten beziehungsweise das Opfer einen neuen Retter gefunden hĂ€tte. Je nachdem.

Wer aber aus seiner teuflischen Rolle aussteigt, hat die Chance zur Weiterentwicklung.

Manchmal gibt es Opfer, die einen – ihnen geeignet erscheinenden – Mitmenschen zum Retter erkoren haben, der das Spiel jedoch nicht mitspielt. Das Opfer wird dann manchmal sehr böse und entwickelt sich seinerseits zum Verfolger, zum TĂ€ter, nĂ€mlich zum RĂ€cher.
Wenn das Opfer klug ist, geht es bei Notwendigkeit und realer Verfolgung zur Polizei, aber sucht sich nicht seinerseits einen emotionalen Retter zu seinem Trost. Ein kluger Mensch lÀsst sich nicht in die Rolle eines Retters drÀngen und nötigen. Einem dummen Menschen, der sich in seinem "Gut"-Sein sonnen will, passiert das allerdings schon.

Ich weiß von einem Therapeuten, der sehr stolz darauf war, dass seine Klienten ihn Tag und Nacht anrufen und sich Telefon-Trost schnorren durften. Er hielt sich fĂŒr einen guten Psychotherapeuten. Nun, er hatte einfach nur ein Helfer-Syndrom und war auch noch stolz auf seine Geisteshaltung. Peinlich, peinlich! Aus seiner psychischen Störung hatte er einen Beruf gemacht. So konnte er sein Symptom ausagieren und sich dafĂŒr noch bezahlen lassen. Er bemerkte niemals, dass er ein unbewusster BetrĂŒger war.

Die drei Rollen ''TĂ€ter'', ''Opfer'' und ''Retter'' werden von den gleichen Leuten hĂ€ufig gewechselt. Das verfolgte Opfer wird aus Wut- und RachegefĂŒhlen zum TĂ€ter, der TĂ€ter wird zum Opfer, und das bisherige Opfer mausert sich, o Wunder, plötzlich zum Retter und fĂŒhlt sich dann stark. Wenn der ursprĂŒngliche Retter irgendwann seiner "edlen" Rolle enthoben ist, fĂ€llt er in eine Depression oder auch in Wut. Er hat die Wahl zwischen TĂ€ter und Opfer. So spielen die drei Theater auf ihrer Psycho-BĂŒhne und entwickeln endlos neue Theater-StĂŒcke, neue Dramen, in denen sie sich voller leidenschaftlicher EmotionalitĂ€t austoben. Das ist eine Art Psychodrama, das ins Verderben fĂŒhrt.
So springen die drei – hochgerechnet die Milliarden – im Dreieck, in dem sie lebenslĂ€nglich  und mit unbewusster Freiwilligkeit gefangen bleiben und sich dabei auch noch fĂŒr "normal" halten.
Nun ja, diese "NormalitÀt" beziehungsweise die Norm ist in der Gesellschaft sehr weit verbreitet und gilt daher ja auch als "normal".

Übrigens werden viele Opfer zu Rettern und Helfern, um ihre eigene UnzulĂ€nglichkeit zu kompensieren. Sie kontrollieren ihre Mitmenschen, besonders diejenigen, die sie fĂŒr schwĂ€cher als sich selbst halten oder die sich selbst fĂŒr schwach halten, indem sie, nĂ€mlich die Helfer und Retter, nicht immer nur lieb, nett und rettend den vermeintlich Schwachen gegenĂŒber sind, sondern schon auch mal streng, böse und strafend. Sie kontrollieren also ihre Mitmenschen mal gĂŒtig, mal strafend, um die eigene unterschwellige Depression in Schach zu halten.

Wenn das Spiel im teuflischen Dreieck spannend und nervenzerrend ist, hat das den ''Vorteil'' einer heftigen Adrenalin-AusschĂŒttung, was wiederum so manche Depression vorĂŒbergehend niederdrĂŒckt.
Zu diesem Zweck machen manche Bungee-Springen, aber andere betreiben das Teuflische-Dreieck-Spiel. 

Das teuflische Dreieck-Spiel wird in Familien gespielt, außerdem in MietshĂ€usern, in Firmen -Belegschaften, in Vereinen, in Therapie-Gruppen (die den Therapeuten entgleiten, weil sie hĂ€ufig nicht merken, was da gerade passiert), es wird auch in politischen Parteien gespielt und innerhalb von Regierungen, und zwar von Regierungen verschiedener LĂ€nder untereinander. Da gibt es immer die Bösen, die Guten und die armen Opfer. Da auch die Guten und die Opfer immer wieder mal böse werden, ist zwischen den Guten, den Opfern und den Bösen kein prinzipieller Unterschied, und alle halten sich fĂŒr die Guten und die anderen fĂŒr die Bösen. Dabei entstehen auch Kriege. Regierungen der Erde bestehen ja oft nicht aus Nicht-Neurotikern und Nicht-Persönlichkeitsgestörten. Bei den Wahlen sind dies nĂ€mlich nicht die Kriterien, nach denen die zu WĂ€hlenden aufgestellt werden.

GetĂ€uscht sind allesamt durch ihr eigenes jeweiliges Speicherbewusstsein, den inneren MĂŒlleimer, ohne sich dessen gewahr zu werden. So fĂŒhlen sich alle im Recht, glauben oder geben vor, sie seien die ''Guten'', und bezeichnen, wie gesagt, die anderen als die ''Bösen''.

Ich empfehle euch einmal, dass ihr euch gewisse Politiker vor Augen haltet und daraufhin prĂŒft, welches der drei Spiele diese Leute jeweils spielen. Ihr werdet ĂŒberall in der Welt Schauspieler in den drei beschriebenen Rollen finden. Ihr könnt ganz sicher sein, dass diese Schauspieler auf der WeltbĂŒhne sich mit ihren jeweiligen Rollen identifizieren! Sie halten sich fĂŒr ihre Rollen. Sie haben keine wahre und echte IdentitĂ€t beziehungsweise kennen sie gar nicht, sondern halten ihre Rollen fĂŒr diese. Viele von ihnen sind die "Vorbilder" fĂŒr die Völker.

Es gibt Menschen mit der ihnen entsprechenden Persönlichkeitsstruktur, die sie leben und ihrer Umwelt gegenĂŒber ausdrĂŒcken – frĂŒher sagte man statt ''Persönlichkeit'' auch ''Charakter'', und das trifft es immer noch des öfteren besser – also es gibt Menschen mit der entsprechenden Charakter -Struktur, die auf zwanghafte Weise niemals aus diesem Dreieck aussteigen können und wollen, sondern lebenslang in ihm gefangen bleiben, ohne dass diese Tatsache ihnen jemals bewusst wird.

Und nun kommen wir zu dem, was fĂŒr euch und uns alle die hauptsĂ€chliche Frage ist:

Liebe Freunde, spielt vielleicht einer von euch (hier im Zendƍ) ''TĂ€ter'' oder gar ''Verfolger''? Spielt er das Spiel, einen anderen fertigzumachen, zu Ă€rgern, zu nerven, in schlechtes Ansehen zu bringen? Betreibt er das wirklich als Spiel, als Sport? Bitte sich das schnell bewusst machen und das Spiel beenden!
Oder spielt jemand hier das arme Opfer nach dem Motto ''ich arme Sau!" oder die Variation "Keiner versteht mich!"? Stellt hier jemand andauernd unbemerkt FettnĂ€pfchen aus, damit möglichst viele Mitmenschen, ohne es zu ahnen, immer wieder in solche FettnĂ€pfchen treten mĂŒssen? Denn chronisch Beleidigte ''brauchen'' es, dass andere in ihre FettnĂ€pfchen treten. So können sie leichter die ''Opfer'' bleiben – was  ihr Lieblingsspiel ist.
Ist hier jemand sehr Empfindliches, sehr Zartes, der sich vielleicht selbst ''sensibel'' nennt, dabei aber weniger feinfĂŒhlig als eher öfter mal beleidigt ist? Nein, ich glaube nicht, dass hier jemand permanent GekrĂ€nktes ist, der dann versucht, zum TĂ€ter zu werden, um sich fĂŒr Dinge zu rĂ€chen, die niemand ihm angetan hat. Trotzdem – aufpassen, aufpassen! Wenn du bei dir so etwas feststellst, bemerkst du vielleicht auch, dass andere freundlich versuchen, dich zu schonen, dich in deiner Empfindlichkeit nicht versehentlich anzustechen, dich vor deinen eigenen so oft beleidigten GefĂŒhlen zu schĂŒtzen und – wenn sie selbst neurotisch sind – dich vor deiner eigenen Empfindlichkeit zu bewahren. Das ist dann auf beiden Seiten nicht sehr menschenwĂŒrdig.

Und Drittens: Spielt jemand unter uns den zwanghaften Retter und Ritter, der die angeblich Verfolgten und die vermeintlich schwachen und hilflosen Opfer schĂŒtzen und vor bösen TĂ€tern bewahren muss, ein Held, der die zarte Jungfrau vor dem bösen Drachen rettet? Ist hier jemand, der nicht leben kann, wenn er nicht immer wieder helfen und fĂŒr andere kĂ€mpfen kann, weil er es so hĂ€nderingend braucht, gebraucht zu werden, dafĂŒr bewundert und geliebt zu werden, so sehr geachtet, respektiert und anerkannt zu werden als Guter, Guter –? Hat hier jemand ein Helfersyndrom? Wohlgemerkt, das Helfen macht Freude, und Freude zu geben macht wiederum Freude, aber das zwingende, drĂ€ngende Brauchen, ein Retter und Helfer zu sein, ohne diese Rolle nicht leben zu können, statt einfach nur zu sein und zu tun, was gerade so anliegt, das ist ein echtes Krankheitssymptom und nicht etwa eine Tugend. Wer dann daraus noch einen Beruf macht und damit seine Krankheit kultiviert, hat seinen Beruf verfehlt.

Es gibt natĂŒrlich auch Mischformen des TĂ€ters, des Opfers und des Retters, wobei immer eine Rolle gespielt, dann aber auch zu einer der beiden anderen ĂŒbergegangen wird. Es gibt aber vor allem ausgesprochene "Opfer"-Typen und "Retter"-Typen, die diese ihre jeweiligen typischen Rollen viele Jahre oder sogar ihr Leben lang spielen. Beide haben etwas unterschwellig Böses, obwohl gerade sie sich ĂŒber die "Bösen" beschweren.

Menschen, die ganz frei von solchen Rollenspielen sind, werden von ihren Mitmenschen, die ebenfalls keine Rollenspiele spielen, als denkbar angenehm, unproblematisch und unkompliziert empfunden. Ihre Gesellschaft ist eine Wohltat.

Ihr merkt an der gesamten Schilderung der Rollenspiele des teuflischen Dreiecks, was fĂŒr grenzenlos tĂ€uschende Gedanken und daraus resultierende GefĂŒhle aus einem vollgestopften Speicherbewusstsein – mano viññāáč‡a dhātu – heraufsteigen und einem solchen Menschen samt dessen Umwelt die Freude vergĂ€llen können. Seien wir also wachsam, nicht nur, dass wir nicht auf einer Bananenschale ausrutschen – das allein wĂ€re etwas zu mager –, sondern

auch, woher unsere Gedanken kommen, woher unsere GefĂŒhle kommen, was eigentlich unsere Motive fĂŒr unser Handeln sind, was wir tun und wie wir in unserer Welt da sind. 

Wenn wir also entdecken, dass wir uns haben hinreißen lassen, unachtsam in das teuflische Dreieck einzusteigen und dass wir vielleicht schon einige Zeit in diesem Dreieck herumspringen, steigen wir ganz schnell wieder aus! Dann leben wir leicht und frei ohne diese gestörten und störenden Rollen des gegenseitigen Manifestierens permanent quĂ€lender CharakterschwĂ€chen.

 

Bei Bedarf suchen wir eine gute Therapie auf und bearbeiten unsere Störung. Auch Psychotherapie kann und sollte ein Weg zur Bewusstwerdung sein. Sie wĂ€re oft eine dringende Notwendigkeit, ehe sich jemand auf einen spirituellen Weg begibt. Neurotische GefĂŒhle, so genannte SekundĂ€rgefĂŒhle, werden dort, nĂ€mlich in einer guten Psychotherapie, nicht ausagiert und "eingeĂŒbt". Ein guter Psychotherapeut kann diese sofort erkennen und von den echten, den PrimĂ€rgefĂŒhlen, unterscheiden. Falls er es nicht kann, bezahlt der dann Dauer-Kranke seinem Therapeuten die Rente.

Ausgesprochen erschreckend ist es, dass FĂŒhrungspersonen, die im Staat (also auch in Behörden), in Schulen, UniversitĂ€ten, in Firmen, in den Kirchen, ja, auch in spirituellen Zentren an der Spitze stehen, wie auch andere Personen, denen von Berufs wegen Menschen anvertraut sind, zum Beispiel Juristen und Ärzte, niemals nach den Kriterien eines guten Charakters und einer integren, ausgereiften Persönlichkeit beurteilt und danach erst eingesetzt werden, sondern immer nur nach dem Schein, der aus Papier besteht, ja, und vielleicht auch noch nach dem Doktortitel. Die Noten werden angeschaut, die Karriere zur Kenntnis genommen, schon auch mal das Vermögen und der Einfluss desjenigen, der sich auf einer gehobenen Position etabliert oder dies tun soll. Ob solche Menschen aber auch die psychische Eignung und Reife fĂŒr einen solchen Posten haben – ja, danach wird, so weit man beobachten kann, niemals gefragt. Man fragt schon einmal nach dem FĂŒhrungszeugnis eines Bewerbers fĂŒr eine gehobene Stellung, aber das ist dann auch schon alles. Ein anstĂ€ndiges FĂŒhrungszeugnis genĂŒgt aber bei weitem nicht, um danach Charakter, Persönlichkeit auf IntegritĂ€t, LoyalitĂ€t, geistige Disziplin, gute Erziehung beziehungsweise sorgfĂ€ltige Selbsterziehung beurteilen zu können.

Diese Tatsache – ich möchte am liebsten sagen, dieser Tatbestand – ist ein großes Manko in unserer menschlichen Gesellschaft, und fast niemand merkt das. Es wird eben als "normal" empfunden, weil es nun mal der Norm der ĂŒberwiegenden Mehrheit entspricht.

Was ist denn aber unsere wahre, unsere wahrhaftige und ewige Norm? Das ist die WESENSNATUR, das GÖTTLICHE LEBEN, das allen Dingen zugrunde liegt, sie trĂ€gt und erhĂ€lt, solange sie bestehen, und zu dem schließlich alles wieder zurĂŒck findet. Dieses unser Wahres Wesen zu erkennen und aus ihm heraus leben zu lernen – dies ist unsere Bestimmung, fĂŒr die wir auf die Erde gekommen sind, um hier die Schulklasse dieses Lebens zu absolvieren auf unserem Weg zur Vollkommenheit.

 

Was können wir Menschen fĂŒr dieses gute Gelingen tun? Wir fangen immer bei uns selbst mit dem AufrĂ€umen an. Was wir in der Therapie und auch im Dokusan erfahren, begreifen und erarbeiten, sollten wir in unserem Alltag praktisch umsetzen und ĂŒben. Wie tun wir das also in unserem tĂ€glichen Leben? Nun, wachsam sein, uns selber ehrlich und wahrhaftig durchschauen und dann entsprechend handeln. Achtgeben, dass wir uns nicht immer wieder, möglichst aber ĂŒberhaupt nicht mehr durch unbeherrschte tĂ€uschende GefĂŒhle zu unheilsamen Worten und Taten hinreißen lassen.

Gehen wir treu unseren wunderbaren WEG, der niemals aufhört, absichtslos und ohne etwas dafĂŒr zu verlangen!

Wie sagen wir immer wieder?

Sei stets wachsam, Schritt fĂŒr Schritt,

Übungsort ist ĂŒberall.

Damit wir uns sorgfĂ€ltig mit Selbstachtung und Achtung voreinander menschlich und spirituell entwickeln können, erinnern wir uns selbst jeden Abend im Sesshin an dieses eine so wichtige der Vier Großen GelĂŒbde:

 

TĂ€uschende Gedanken und GefĂŒhle sind grenzenlos,

ich gelobe sie alle loszulassen.

Wenn wir uns entwickeln, an unserer eigenen Rettung arbeiten und dabei nicht auf die anderen schielen, dann helfen wir, die Welt mit den vielen Lebewesen zu retten. Nur so geht das, nicht anders herum. Kein politisches oder philosophisches System kann die Welt retten, sondern die große Sorgfalt und Achtsamkeit des eigenen Weges bringen Rettung und Frieden. Aus diesem Frieden erwĂ€chst mehr und mehr auch der ''Ă€ußere'' Frieden, der Weltfrieden.

Weltfrieden kommt nicht von außen, Weltfrieden kommt von innen, bei jedem einzelnen, und nur so fĂŒr die Gesamtheit.

 

Mögen alle Wesen glĂŒcklich sein!